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GS 2 - 501 Die Anfänge

GESCHICHTE > Schweiz bis 1515


GESCHICHTE DER SCHWEIZ BIS 1515   GS 2 - 501

Die Anfänge

Das Gebiet der heutigen Schweiz ist nachweislich schon zu ur- und frühgeschichtlichen Zeiten besiedelt gewesen. Die Besiedlungsspuren aus frühster Zeit sind allerdings nicht besonders üppig, da die Eismassen der drei letzten Eiszeiten (vor 350‘000 – 10‘000 Jahren) viele Spuren ausgelöscht haben.

Das erste Volk, das im Gebiet der heutigen Schweiz geschichtlich in Erscheinung tritt, sind die Helvetier. Dass wir so viel über sie wissen, verdanken wir dem römischen Feldherrn Julius Caesar. In seinen Kriegsbericht „De bello gallico“ („Vom gallischen Krieg“) schildert er seinen Feldzug gegen die Gallier. Dabei trifft er zuerst auf die Helvetier.  Wie die Gallier sind die Helvetier ein keltischer Stamm. Gemäss Caesar besitzen sie fast ein Dutzend stadtartige (befestigte) Anlagen («oppida») und etwa 400 (unbefestigte) Dörfer («vici»). Die vorherrschende Siedlungsform ist aber der Einzelhof und Weiler. Divico, der Heerführer der Helvetier, ist der erste namentlich bekannte "Schweizer".

Caesar zwingt die Helvetier, die nach Westen auswandern wollen, bei Bibracte (58 v. Chr.) zur Rückkehr in das Gebiet zwischen Jura und Alpen. Die Helvetier sind für die Römer wichtig, um die Grenzen des Reiches gegen die kriegerischen Germanen zu schützen.

Mit dem Niedergang der Römer Mitte des 5. Jahrh. n. Chr. wird die galloromanische Provinz Helvetien zum Angriffspunkt wandernder Völker.  Die ersten, die neu Schweizer Gebiet besiedeln sind die ursprünglich aus Dänemark stammenden Burgunder. Mitte des 5. Jahrhunderts lässt sich eine grössere Gruppe im Südwesten unseres Landes dauerhaft nieder und bildet eine neue Adelsschicht gegenüber den ansässigen Galloromanen. Der galloromanische Adelige Apollinaris Sidonius weiss nicht viel Gutes über diese ungepflegten, rülpsenden barbarischen Vielfrasse zu berichten, die schon morgens nach Zwiebel und Knoblauch riechen. Interessanterweise gleichen sich die Burgunder in Sprache und Kultur schon bald den kulturell überlegenen Galloromanen an, behalten aber ihre eigenen Gesetze. Nach dem Untergang des Römerreiches bilden sie um 500 - etwas weiter im Nordwesten - ein eigenes Königreich (Burgund).

Im 5. Jahrhundert steigt der Stamm der Franken zu einer bedeutenden Macht im untergehenden römischen Reich auf. Zuerst noch Gefolgsleute der Römer, errichten die Merowinger ab 461 in Nordgallien einen eigenen fränkischen Machtbereich. Chlodwig I. (482 - 511) ist der erste Alleinherrscher über die Franken. Er tritt zum Christentum über und kann fortan in seiner Machtentfaltung auch mit dem Segen und der Hilfe der katholischen Kirche rechnen. Nach Chlodwigs Tod führen seine Söhne die Eroberungskriege und die Ausweitung des Reiches weiter. Neben anderen Völkern werden 533 die Burgunder unterworfen. Seit Beginn des 6. Jahrhunderts steht das Gebiet der heutigen Schweiz unter fränkischem Einfluss. Dem können sich auch die Alemannen nicht entziehen. 630 wird das Gebiet der heutigen Schweiz von König Dagobert, dem wohl mächtigsten und angesehensten Merowingerkönig dem Frankenreich einverleibt. Aber der Zenit der Merowinger Könige ist bereits überschritten. Bald wird ihnen ein anderes mächtiges Geschlecht die Herrschaft streitig machen und eine neue fränkische Dynastie begründen, die der Karolinger.

Zu Beginn des 6. Jahrhunderts kommen die Alemannen. Die Römer gehören in unserem Kulturraum endgültig der Geschichte an, die Burgunder sind bereits in den ungleichen Machtkampf mit den aufkommenden Franken - einem anderen germanischen Stamm - verwickelt. Die Alemannen haben viel von ihrem einstigen Schrecken eingebüsst. Sie kommen weniger als Eroberer, denn als Siedler. Nach und nach besiedeln sie den süddeutschen und nordhelvetischen Raum. Zwischen den ansässigen Galloromanen und den Alemannen findet nach und nach eine kulturelle Angleichung zu Gunsten der alemannischen Germanen statt. Es bleibt aber eine Kluft zwischen den Alemannen und den Burgundern, den ehemaligen Feinden der Alemannen. So bildet sich zwischen den burgundischen Galloromanen und den gallorömischen Alemannen eine Kultur- und Sprachgrenze.







                                                                                                                                                                  
Karte: Grenze zwischen alemannischem (braun) und burgundischem (grün) Einflussgebiet im 9. und 10. Jahrhundert.

Aufgaben und Recherchen
Von welchem Volk hat die Schweiz (Confoederatio Helvetica) ihren Namen, was weisst du über das Volk?
Wer war der berühmte Heerführer, der erste namentlich bekannte "Schweizer"? Suche Informationen!
Von wem haben wir erste schriftliche Zeugnisse über die Helvetier?
Wie heissen die drei Siedlungsformen der Helvetier und was ist mit diesen Begriffen gemeint?
Welche Völker besiedeln nach den Helvetiern wann und wo das Gebiet der heutigen Schweiz?
Was könnten die Gründe sein, dass ein Volk um die Zeitwende aus Mitteleuropa auswandert?
Wieso sind die Helvetier im Gebiet der heutigen Schweiz für die Römer wichtig?
Wie sind die Berichte Caesars als historische (geschichtliche) Quellen punkto Zuverlässigkeit einzustufen?
Gibt es die  Kultur- und Sprachgrenze zwischen „Galloromanen“ und „Alemannen“ noch? Wenn „ja“, wo?
Wer übernimmt ab dem 7. Jahrhundert die Macht im Gebiet der heutigen Schweiz?



 
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