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GS 2 - 508 Die Burgunderkriege

GESCHICHTE > Schweiz bis 1515


GESCHICHTE DER SCHWEIZ BIS 1515   GS 2 - 508

Die Burgunderkriege 1474 - 1477

Bern und seine  Schwesterstadt Freiburg sind daran interessiert, sich wichtige internationale Handels- und Transitwege durch das Mittelland offen zu halten. Besonders interessieren sie die Gebiete südwestlich von Bern, die unter der Herrschaft des Herzogs von Savoyen stehen. Jenseits des Jura, im Westen, liegt Burgund. Auch der Herzog von Burgund, der in der Zeit reichste und mächtigste Fürst, hat Interesse, seinen Einflussbereich zu erweitern. Karl der Kühne liebäugelt sogar mit der deutschen Kaiserkrone. Daher ist klar, dass er auf der Seite der Habsburger sein muss, obwohl er französischer Lehensträger ist. Kritisch wird es, als 1469 Herzog Sigmund von Habsburg, wieder einmal in Geldnot, Karl dem Kühnen wichtige Ländereien im Sundgau und Breisgau (heute Elsass), sowie die Städte Laufenburg, Rheinfelden, Säckingen und Waldshut verpfändet. Zudem unterzeichnet Karl mit Habsburg einen Beistandspakt gegen die Eidgenossen. Als die Burgunder nun auch noch die ehemals Savoyen unterstehende Waadt besetzen, ist für die Berner das Mass voll.

Auch der König von Frankreich sieht die eigenmächtigen Umtriebe seines abtrünnigen Vasallen nicht gerne. Er vermittelt ein Zusammentreffen aller Gegner Karls des Kühnen. So finden die Eidgenossen Bündnispartner bei den Habsburgern und Lothringern („Niederen Vereinigung“). In der „Ewigen Richtung“ verzichtet Habsburg-Österreich 1474 endgültig auf alles, was es an die Eidgenossen verloren hat und die Eidgenossen versprechen, ihr Gebiet fortan nicht mehr auf Kosten der neuen Freunde auszudehnen. Schliesslich besiegeln die Eidgenossen ein Bündnis mit Frankreich, worin sie dem König Kriegshilfe (Söldner) versprechen.

1474 besetzen die Berner die Waadt und machen sie zu bernischem Untertanengebiet. Die Oberwalliser nutzen die Gunst der Stunde, um das Unterwallis von Savoyen zu erobern. Das muss natürlich Karl den Kühnen provozieren, der Bündnispartner von Savoyen ist und seine eigenen Interessen gefährdet sieht.

Karl der Kühne lässt nicht lange auf sich warten. Im März 1476 belagert er Grandson am Neuenburgersee. Die Stadt kann er erobern und die Besatzer bringt er um, in der folgenden offenen Feldschacht erfährt er aber eine erste schmerzliche Niederlage und muss fliehen. Seine ganze Habe, unermessliche Schätze, und das modernste Kriegsgerät seiner Zeit bleiben zurück.

Die Eidgenossen erbeuten nicht nur Hunderte von Geschützen, sondern auch wertvollen persönlichen Besitz aus dem Lager des Herzogs, der als damals reichster europäischer Fürst auch im Feld nicht auf prunkvolle Hofhaltung verzichtet hat. Die für Schweizer Verhältnisse unermes¬lich grosse Burgunderbeute bringt den Eidgenossen aber keinen Segen.

Nur wenige Monate später, im Juni 1476, steht eine neue burgundische Armee vor den Toren von Murten Die Stadt ist von den Bernern unter Adrian von Bubenberg besetzt. Karl der Kühne hat nichts dem Zufall überlassen. Ein Sieg der Eidgenossen scheint diesmal unmöglich. Karl der Kühne will den frontalen Angriff der Eidgenossen am Grünhag (künstlich verstärkte Büsche) auflaufen lassen und sie dann durch die Artillerie und die Kavallerie in die Zange nehmen.

Doch auch hier verläuft die Schlacht anders, als der Herzog erwartet hat. Tagelang hat die eidgenössische Vorhut mit kleinen Scharmützeln die Burgunder in eine trügerische Sicherheit manövriert. Der Angriff erfolgt urplötzlich. Die Eidgenossen greifen zwar – wie erwartet - vom Birchwald her an, aber schon die Vorhut der Eidgenossen ist mit 5‘000 Mann gewaltig. Zudem überwinden die Schwyzer den Burggraben und fallen der burgundischen Artillerie in den Rücken. Die burgundische Vorhut ist aufgerieben, bevor das burgundische Hauptheer richtig Stellung beziehen kann. Die Schlacht wendet sich für die Burgunder zu einer Niederlage, bevor der eidgenössische Hauptharst richtig zum Zug kommt.

Die Artillerie ist vernichtet, die burgundischen Reiter werden von beachtlichen Reiterverbänden der mit den Eidgenossen verbündeten Lothringer und Habsburger in Schach gehalten. Am Abend ist die Schlacht entschieden. 12‘000 Mann soll Karl der Kühne verloren haben, die Eidgenossen beklagen 500 Tote. Der Herzog selber kann im letzten Moment Richtung Avenches fliehen.



Am 16. August 1476 schliesst die Eidgenossenschaft mit Savoyen Frieden. Savoyen bekommt die Waadt zurück, ausser Murten, Grandson, Orbe und Echallens, die gemeinsame Vogtei von Bern und Freiburg werden.

Im Januar 1477 bedroht Karl der Kühne den Herzog von Lothringen und belagert die Stadt Nancy. Die Eidgenossen kommen dem befreundeten Herzog von Lothringen zu Hilfe. Karl der Kühne fällt am 5. Januar 1477 in der Schlacht.

Karl der Kühne verlor „bei Grandson das Gut,
bei Murten den Mut und bei Nancy das Blut“.

Eine wesentliche Folge der Burgunderkriege ist, dass die Siege von Grandson und Murten gegen eine militärische Grossmacht die Fürsten Europas veranlassen, die erfolgreichen Eidgenossen als Söldner, sogenannte Reisläufer, anzuwerben. Gleichzeitig verschiebt sich das Kräftegleichgewicht zugunsten der Städte. Eine schwere Krise entsteht, als die zwei Städte Freiburg im Üechtland und Solothurn, die in den Burgunderkriegen auf der Seite der Eidgenossen gekämpft haben, ebenfalls Aufnahme in den Bund fordern. Beim Stanser Verkommnis kommt es durch die Vermittlung von Nikolaus von Flüe in letzter Minute zu einer Einigung.

Aufgaben und Recherchen
Wer sind die Burgunder, woher kommen sie und welche Bedeutung haben sie für die heutige Schweiz?
Welche Bedeutung hat der Herzog von Burgund auf der europäischen Bühne des 15. Jahrhunderts?
Wieso kann es den Bernern (und anderen Städten) nicht Gleichgültig sein, wer im Nordwesten und im Süd-westen herrscht?
Wie heisst der Vertag von 1474 zwischen Eidgenossen und Habsburg, was regelt er und warum stellen sich die Habsburger gegen Karl den Kühnen?
Welches ist die erste Schlacht der Burgunder gegen die Eidgenossen. Schildere Kurz den Verlauf!
Wo können heute noch Stücke aus der Beute von Grandson besichtigt werden?
Was meint der Satz wohl: Die Burgunderbeute bringt den Eidgenossen nicht nur Segen?
Schildere kurz den Schlachtverlauf von Murten in eigenen Worten!
Wieso siegen die Eidgenossen in Murten wider Erwarten so deutlich?
Welche Wirkung hat der Sieg von Murten auf die Eidgenossen?
Wer hat das berühmte „Panorama der Schlacht von Murten“ geschaffen, wann und wo wurde es letztmals gezeigt und wo ist es heute? Wie gross und wie schwer ist das Gemälde? Wie lange wurde daran gearbeitet?


Die Burgunderkriege sind der erste „internationale“ Krieg der Eidgenossen, sozusagen die „Europaliga der Kriegskunst“. Die „Eidgenossenschaft“ findet jetzt nicht mehr isoliert auf dem „Schweizer Parkett mit Alpenpanorama“ statt, sondern im Rahmen der europäischen Grossmachtspolitik. Hier und jetzt wird klar, dass die Schweiz mit ihrer vorwiegend bäuerlich-genossenschaftlichen Sozialstruktur in Europa ein Sonderfall ist (Es gibt kein Land, wo sich die Bauern selber regieren, ausser in der Schweiz). Schon damals sehen einzelne weitsichtige Politiker, dass diese bäuerliche (und kleinstädtische) Struktur im Konzert der europäischen Grossmächte nicht bestehen kann. Hier bildet sich wohl die Keimzelle des Gedankens von Niklaus von der Flüeh, "den eigenen Zaun nicht zu weit zu stecken" und sich nicht in fremde Händel einzumischen. Aber wie überall müssen der Umsetzung dieses Gedankens einer Neutralitätspolitik zuerst eigene schlechte Erfahrungen vorausgehen. Die Eidgenossen müssen, bevor sie vernünftig werden, zuerst erfahren, was passieren kann, wenn sie den Grundsatz der politischen Bescheidenheit und der kriegerischen Zurückhaltung nicht beachten. Erst in der schrecklichen Erfahrung der Kriege in der Lombardei wird ihnen klar werden, was der Gedanke von Niklaus von der Flüeh wirklich bedeutet.


Portfolio-Auftrag:
Erstellt mit Hilfe der Internetrecherche je ein Portrait von Karl dem Kühnen und Adrian von Bubenberg. Bebildert euren Beitrag, der pro Portrait ca. eine Doppelseite umfassen soll. Ihr dürft das Portrait am PC schreiben. Ich möchte aber, dass ihr die Texte so bearbeitet, dass nur für euch wirklich Wichtiges darin steht. Vergesst nicht, die Quellen für die Texte anzugeben! Ich lege Wert auf eine saubere, ansprechende Darstellung!


Zusatztext:

Zusammenfassung Burgunderkriege

Kontrahenten
Karl der Kühne Herzog von Burgund
Adrian von Bubenberg Ritter und Mitglied des Berner Rates, beauftragt mit der Verteidigung von Murten

Vorgeschichte Burgund
Macht ausweiten
Gebiet bereinigen (vor allem bei Lothringen).

Verpfändung elsässischer Städte durch den Habsburgischer Mitregenten Sigismund –
„Niederen Vereinigung“ (Elsässer Städte, Lothringen, Eidgenossen, Habsburg)

Befreiung aus der Lehenshoheit Frankreichs
Karl der Kühne, Griff nach der deutschen Königskrone
Hochzeitsgespräche mit dem Habsburger Friedrich III
Maximilian I. soll Maria von Burgund heiraten; Verhandlungen stocken
Heirat erst nach dem Tod Karls d. Kühnen (1477)

Vorgeschichte Bern:
Bern ist seit 1353 mit den Eidgenossen verbündet
eigene Expansionspolitik (zusammen mit seiner Schwesterstadt Freiburg)
Richtung NO (Gebiete Habsburgs (Aargau, Thurgau))
Richtung SW (Gebiete Savoyens) mit Burgund verbündet
Im W ist Burgund Nachbar der Berner
1475 Expansion ins Seeland (ins Gebiet Savoyens) neben anderen Gebieten
- Grandson am Neuenburgersee
-  Murten am Murtensee

Karl der Kühne ist noch in Nancy in Lothringen beschäftigt und kann nicht sofort eingreifen. Als sein Heer im Januar 1476 frei wird, zieht er gegen Grandson.

Als Karl anrückt, geben die Berner einige eroberte Gebiete auf, Grandson und Murten halten sie aber besetzt.

Sie fragen die Eidgenossen um Hilfe an, diese haben aber Mühe, sich mit der Expansionspolitik Berns.

Karl der Kühne taucht im Februar 1476 vor Grandson auf, bei über 400 moderne Kanonen hat die Besatzung von Grandson keine Chance
Berner Besatzung ergibt sich auf Zusicherung freien Geleits trotzdem – über 400 Männer erhängt oder im See ertränkt.

Mit den Hackenbüchsen (Akebusen, die wegen ihres enormen Rückschlages von einem Ständer abgeschossen werden müssen) verfügen die Burgunder über die modernsten Waffen, die auch aus der Ferne eine verheerende Wirkung haben (die Eidgenossen verfügen neben ihren traditionellen Waffen (Langspiess, Hellebarde, Schwert…) nur über kleinkalibrige Feldschlangen).

Schlacht von Grandson März 1476
Nach der Eroberung Grandsons verschanzt sich Karl der Kühne auf der Burg  Vaumarcus am Neuenburgersee.
Am 2. März greift die eidgenössische Vorhut das Lager der Burgunder an.
Nach drei Stunden Kampf geraten die Eidgenossen in Bedrängnis.
Karl der Kühne meint, der Hauptmacht der Eidgenossen gegenüber zu stehen. Gibt seine sichere Stellung auf um die Truppen neu zu formieren und die Sache zu Ende zu bringen.
Bevor er aber den Stellungswechsel beendet hat, stösst der Hauptharst der Eidgenossen zu den Kämpfenden. Inzwischen haben sich auch die übrigen Eidgenossen zu einem Zuzug entschlossen. Das Erscheinen des Uristiers und der Lärm der Schlachthörner löst unter dem Burgundern eine Panik aus, so dass die Soldaten beginnen, die Flucht zu ergreifen.
Vergebens versuchen Karl der Kühne und seine Offiziere wieder Ordnung zu schaffen.
Schliesslich bleibt auch ihm nur noch die Flucht. Die gesamte Ausrüstung - Waffen, Zelte, die ganze persönliche Habe Karls und seines Hofstaates… - bleiben zurück.

Die Verluste sind relativ gering, 1000 Mann bei den Burgundern, 600 bei den Eidgenossen
Die Beute ist gewaltig, die Verteilung der Beute löst aber empfindliche Streitigkeiten zwischen den Stadt- und Landorten aus.
Eidgenossenschaft am Ende der Burgunderkriege erneut – wie schon im Alten Zürichkrieg - vor harter Bewährungsprobe.

Die Schlacht ist gewonnen, nicht aber der Krieg. Karl der Kühne braucht nur gut zwei Monate, um ein neues schlagkräftiges Heer bereitzustellen.

Im Juni 1476 steht Karl der Kühne vor Murten, das von Adrian von Bubenberg und von 2'000 - 3‘000 Mann aus Bern und Freiburg verteidigt wird. Das Burgunderheer umfasst ca. 22‘500 Mann.

Schlacht von Murten Juni 1476
Ziel Karls des Kühnen ist ursprünglich gewesen, direkt Bern anzugreifen. Aber er fürchtet zu Recht, die 3‘000 Mann Besatzung von Murten könnten ihm dabei in den Rücken fallen. Also will er zuerst das Problem vor Ort lösen.
Trotz Kanonen und einer massiven Überzahl des Feindes hält Adrian von Bubenberg 12 Tage stand. In dieser Zeit sammelt Bern in der Umgebung in den Wäldern rund um Murten seine und die eidgenössischen Truppen.
Der Feind soll bezüglich der wahren Truppenstärke der Eidgenossen im Ungewissen bleiben.
Karl der Kühne hat Murten eingeschlossen und sein Lager gesichert.
Wenn er einen feindlichen Vorstoss erwartet, dann richtigerweise am Grünhaag, den er strategisch mit Artillerie, Kavallerie und Schützen (Bogen, Armbrust und Büchsen) sichert. Sein strategischer Fehler: Den 30 m tiefen Burggraben hält er für unüberwindbar und vernachlässigt deshalb dessen Sicherung.
Kleine Scheingefechte halten die Burgunder in Trab, aber vorerst erfolgt kein ernsthafter Angriff.
Die Burgunder sollen denken, dass sich die Eidgenossen nur in geringer Zahl in der Gegend befinden und sich deshalb nicht trauen anzugreifen. Zudem soll sich eine gewisse Nachlässigkeit und damit Unaufmerksamkeit bei den Burgundern breit machen.
25‘000 Mann liegen bei den Eidgenossen in den umliegenden Wäldern bereit.
Am 22. Juni regnet es. Einige Eidgenossen haben sich gezeigt, greifen aber nicht an und lassen die Feinde buchstäblich im Regen stehen.
Schwyzer verschaffen sich Zugang zum Burggraben und liegen in Bereitschaft.
Gegen Mittag hört es auf zu regnen und die 5‘000 Mann starke eidgenössische Vorhut startet den Angriff auf den Grünhag (Berner unter Hans von Hallwyl).
Die Verluste sind erheblich, aber der Hauptharst unter dem Zürcher Hans Waldmann steht bereit für den Hauptangriff.
Schwyzer fallen den burgundischen Kanonieren am Grünhag über den Burggraben in den Rücken und setzen die Geschütze ausser Gefecht.
In einer weit ausholenden Zangenbewegung stürmen die Eidgenossen auf das Hauplager und in die Ebene vor dem See vor und treiben grosse Teile des burgundischen Heeres in den See, wo diese ertrinken.
Gleichzeitig macht die Besatzung von Murten einen Ausfall.
Das Desaster ist komplett. Karl der Kühne versucht noch am Nachmittag persönlich in den Kampf einzugreifen, wird aber von seinen Hauptleuten überzeugt, dass es besser ist zu fliehen, solange noch Zeit ist. So gelingt dem Herzog im letzten Moment die Flucht nach Lausanne. Er soll 12‘000 Mann verloren haben. Die Zahl der Toten bei den Eidgenossen wird mit 500 angegeben.

Konnte Karl der Kühne die erste Niederlage noch als Missgeschick abtun, so war diese zweite Niederlage für ihn sicher eine persönliche Katastrophe. Und er hatte nicht etwa gegen ein Adelsheer verloren, sondern gegen Bauern und Städter, die erst noch grösstenteils zu Fuss kämpften.

Dass er in der dritten Schlacht 1477 in Nancy dann noch sein Leben verlieren wird, kann schon fast als logische Folge gewertet werden: Bei Grandson das Gut, bei Murten den Mut, bei Nancy das Blut.

Schlachten-Panoramabild: http://www.murtenpanorama.ch/spezial/zoomify/index_de.php

Folgen für die Eidgenossenschaft
Einerseits bescheren den Eidgenossen die Burgunderkriege einen Reichtum aus der Burgunderbeute, mit dem sie kaum etwas anzufangen wissen. Zudem führt die Verteilung der Beute zu einem empfindlichen Streit zwischen Stadt- und Landorten, der die Eidgenossenschaft fast auseinanderbrechen zu lassen droht.
Freiburg und Solothurn haben sich massgeblich an den Burgunderkriegen beteiligt und wünschen sich eine Mitgliedschaft in der Eidgenossenschaft. Hier aber stellen sich die Landorte quer, die – vielleicht nicht ganz unbegründet – eine Übermacht der Stadtorte fürchten.
Der Streit soll der Legende nach durch einen Ratschlag des Einsiedlers Bruder Niklaus von Flüeh aus der Ranft (Nidwalden) 1481 im Stanser Verkommnis (Tagsatzung in Stans) beigelegt worden sein. Der Kompromiss bestand darin, Freiburg und Solothurn in den Bund aufzunehmen, aber auf das Burgrecht (separate Absprachen und Verträge zwischen den Städten) zu verzichten.
Im Falle der Kriegsbeute sollte das eroberte Gut nicht mehr nach Ständen, sondern nach der Anzahl Kämpfender verteilt werden. Frühere Verträge (Sempacherbrief, Pfaffenbrief) sollen auch für die neuen Mitglieder gelten.
Wir haben jetzt (1481)  eine Zehnörtige Eidgenossenschaft. 20 Jahre später, nach den Schwabenkriegen, wird der Bund um Basel und Schaffhausen erweitert (1501) und 1513 stösst noch Appenzell als weiterer Landort zur Eidgenossenschaft (Dreizehnörtige Eidgenossenschaft).
Eine weitere, von ihrer Bedeutung her nicht zu unterschätzende Folge ist: Die Eidgenossen sind nun endgültig als kriegerisches Volk europaweit bekannt und als Söldner geschätzt. Ihre Maxime, keine Gefangenen zu machen, verbreitet Schrecken. Jeder Fürst, der es sich leisten kann, heuert Schweizer Söldner an. Viel Geld fliesst, auch in den Orten, die die jungen Burschen zum Solddienst vermitteln. Es ist ein einträgliches Geschäft mit dem Tod. Die Kehrseite der Medaille: Die jungen Leuten, die als Krüppel nach Hause zurückkommen, körperlich und geistig nicht mehr in der Lage, einer ehrlichen und geregelten Arbeit nachzugehen. Bei den jungen Leuten führt das Söldnerwesen nicht nur zur Möglichkeit, einem lukrativen Beruf nachzugehen, sondern auch zur Sucht nach dem schnellen Geld und der Verrohung der Sitten. Zudem treten immer häufiger Situationen auf, wo in befeindeten Heeren Schweizer gegen Schweizer kämpfen.

Bildquellen zu den Burgunderkriegen:







 
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