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GS 2 - 907 Frankreich IV - Der Merkantilismus

GESCHICHTE > Absolutismus


ABSOLUTISMUS   GS 2 - 907

Der Merkantilismus, das Wirtschaftssystem des Absolutismus



Die Wirtschaftspolitik der absolutistischen Staaten zwischen ca. 1600 und 1750 wird als »Merkantilismus« bezeichnet. Charakteristisch für den Merkantilismus ist die Verbidung von wirtschaftlichem Nationalismus und staatlicher Lenkung. Primäres wirtschaftspolitisches Ziel ist die Deckung des stetig steigenden staatlichen Geldbedarfs. Als wichtigstes Mittel dazu sieht man im Merkantilismus die Verbesserung der einheimischen Produktion, des Transportsystems und die Förderung des Exports an. Dazu gehört die Vereinheitlichung von Massen und Gewichten, die Beseitigung der Binnenzölle, Ausbau der Verkehrswege und eine aktive Bevölkerungspolitik (z. B. Erhöhung der Geburtenrate zur Steigerung der produktiven Bevölkerung). Die Philosophie des Merkantilismus ist einfach: Rohstoffe möglichst billig importieren, im Land möglichst billig zu hochwertigen Produkten weiterverarbeiten und die Fertigprodukte gegen Devisen möglichst teuer (d. h. mit grossem Gewinn) ins Ausland verkaufen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht Frankreich neben Produktionsanlagen im Landesinneren, eine eigene Flotte (Schiffe) und Kolonien, um an billige Rohstoffe zu gelangen. Es ist der Staatsmann Jean-Baptiste Colbert (Marquis de Seignelay; seit 1658), der in Frankreich durch wirtschaftliche und finanzielle Reformen die Grundlagen für die Aussen- und Kolonialpolitik Ludwigs XIV. schafft. Der inländische Markt wird geschützt, es ist kein freier Warenverkehr möglich. Die Zollschranken verhindern die Einfuhr ausländischer Fertigprodukte, die die innländischen Produkte konkurrenzieren und die Ausfuhr von Rohstoffen.

Das Ziel des Merkantilismus in Frankreich ist die Steigerung der Steuereinnahmen zur Finanzierung der Kriege, des stehenden Heeres und der teuren Hofhaltung des Königs (1788 etwa 1/10 der Staatsausgaben). Man spricht in diesem Zusammenhang von einer "aktiven Handelbilanz" (es werden mehr Waren exportiert als importiert; die Gelddifferenz bleibt als Gewinn im Staat). Dafür sorgt der Staat für die Verbesserung der Verkehrswege (Strassen, Brücken und Kanäle). Im Süden Frankreichs wird der Canal du Midi erbaut. Die zahlreichen Binnenzölle an Brücken, an Stadt- oder Provinzgrenzen verschwinden und ein einheitlicher Binnenmarkt wird geschaffen. Die Transporte im Inland sollen auf diese Weise billiger werden.

Kritik am Merkantilismus

Der Merkantilismus ist einseitig auf Gewinn ausgerichtet und lässt andere Zusammenhänge ausser Acht. Die fehlende Konkurrenz (Monopolstellung des Staates) und willkürliche Eingriffe des Staates in die Wirtschaft verhindern eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung, z. B. haben kleine Handwerkern und Familienbetriebe gegenüber den staatlichen Manufakturen keine Chance. Da Produktivität alleine am Fluss von Edelmetall (Gold) gemessen wird, wird die Leistung der Landwirtschaft, in der immer noch gut 80% der Bevölkerung arbeitet, überhaupt nicht wahrgenommen. Das alte Pachtsystem, das auch die Leibeigenschaft kennt, bleibt erhalten. Um billig produzieren zu können (damit der Export mehr einbringt), müssen die Inlandlöhne tief sein, was wiederum bedingt, dass die Grundnahrungsmittelpreise (Landwirtschaftsprodukte) billig sind. Die Bauern sind doppelte Verlierer in diesem System.

Da das Welthandelsvolumen nicht unendlich ist, ist wirtschaftliches Wachstum nur auf Kosten anderer möglich. Will ich als Franzose den Textilhandel steigern, muss ich schauen, dass z. B. die Engländer weniger Textilien produzieren oder zumindest verkaufen können. Diese Einstellung führt immer wieder zu Handelskriegen. Zudem fördert der Merkantilismus den Kolonialismus, d.h. die Ausbeutung der überseeischen Kolonien, weil von dort die billigen Rohstoffe kommen, die für die Manufakturen im eigenen Land gebraucht werden.

Ein ständiger Zufluss von Edelmetall (Geld), wie ihn der Merkantilismus zur Deckung der Staatsausgaben anstrebt, muss zwangsläufig früher oder später zur Geldentwertung (Inflation) führen, was die Produkte im Landesinnern (z. B. Grundnahrungsmittel) verteuert.

Aufgaben und Recherchen
Beschrifte aus der Grafik auf der vorderen Seite die Ziffern 1 - 8. Was bedeuten sie?
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Was ist "Merkantilismus"? Was ist seine Grundidee?
Was ist das Ziel des Merkantilismus? Wie erreicht er es, welche Massnahmen müssen getroffen werden?
Was ist ein Binnenzoll?
Was versteht man unter Kolonialismus?
Was ist eine Manufaktur?
Erkläre den Begriff "Devisen"!
Nenne mindestens 5 Kritikpunkte am Merkantilismus.
Wer sind die grossen Verlierer des Merkantilismus? (2 Antworten)

Portfolioaufgabe:

Stelle dea System des Merkantilismus kurz vor. Überlege dir, ob der Merkantilismus als Wirtschaftssystem grundsätzlich falsch oder unmoralisch ist. Lege deine Meinung auf einem separaten Blatt dar und begründe sie!




 
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